ETH Zürich


In den 1980er und 90er-Jahren forschten Thomas Hasler und Astrid Staufer u.a. am Institut für Geschichte und Theorie (gta) unter der Leitung von Werner Oechslin zur Entwurfsmethodik von Protagonisten der Nachkriegsmoderne: Thomas Hasler mit Markus Peter zum deutschen Kirchenbauer Rudolf Schwarz und Astrid Staufer mit  Marcel Meili zum Werk des Mailänder Architekten Luigi Caccia Dominioni.
Als Gastdozenten entwickelten sie später für den 3. und 4. Jahreskurs die Methodik des Synchronen Entwerfens weiter und ereiterten diese um den Aspekt einer simultan gesteuerten Zeichnungs-, Modell- und Textarbeit.

Thomas Hasler und Astrid Staufer, Gastdozentur für Architektur und Konstruktion, 2002 – 2004

Simultanes Entwerfen

Lehre und Publikation

Suggestiv charakterisierende Texte, verdichtete Bildaussagen, leitende Skizzen und ordnende Modelle befruchten sich gegenseitig als parallel wirksame Katalysatoren im Entwurfsprozess. Im vergleichenden Übertragen von Themen und Inhalten in verschiedene Formzustände werden die entwurfsmotivierenden Hintergründe erkannt und geschärft. Die Methode wurde gleichsam in der Entwurfspraxis und der Lehre an ETH Zürich, EPF Lausanne, zhaw Winterthur und TU Wien entwickelt, angewendet und verfeinert. («Mein Gebäude steigt aus dem Rebberg auf und feiert», Studierendenprojekt Eva Zohren, Sommersemester 2003)

Wohnlandschaften, Badenerstrasse

Lehre

Im Sommersemester 2004 entwickelten die Studierenden durch die Arbeit am Text, Modell und an Zeichnungen Konzepte für Verdichtung entlang der Badener Strasse in Zürich. In seinem Projekt schrieb Urs Jeltsch: «Strassen- und Rückräume mit Inselcharakter werden verflochten. Ein dreidimensionales Netz besetzt die Hinterhöfe und füllt Lücken der Randbebauung an der Strasse.» (Studierendenprojekt, Urs Jeltsch, Sommersemester 2004)

Architektur als Ausdruck – Rudolf Schwarz

Forschung

In einer eingehenden Werkanalyse untersuchte Thomas Hasler Bauten und Schriften von Rudolf Schwarz, der Mitte des 20. Jahrhunderts massgeblich an der Entwicklung des Sakralbaus der Nachkriegszeit beteiligt war.
Schwarz durchforschte alle möglichen Domänen der Form: Nicht nur im Fundus der Architektur- und der Kunstgeschichte, auch in der Natur und den Konstrukten der Technik fand er Strukturen, deren Gesetzmässigkeiten sich auf Bauformen übertragen lassen. So birgt sowohl das architektonische als auch das geschriebene Werk von Rudolf Schwarz einen Formen- und Gedankenreichtum, der in der Publikation von Thomas Hasler Architekturschaffenden wie -interessierten zugänglich gemacht wird. (Kirche St. Fronleichnam, Aachen, 1930)

Luigi Caccia Dominioni

Forschung und Lehre

Bereits in ihrem Studium an der ETH-Zürich forschte Astrid Staufer zum vielfältigen Werk von Luigi Caccia Dominioni. Ein Hauptaspekt seines Wohnentwurfs ist das «Erzählen einer Geschichte», die erst die wahrnehmende Bewegung durch den Grundriss räumlich erfahrbar macht.
Seine Gestaltung war eine rundum empathische. Er entwarf seine Stadtplanungen, Bauten und Objekte aus dem Innern heraus, ohne Objektivität und Distanz. Seine Bauherren verehrten ihn als stilvollen Meisterarchitekten, innovativen Tüftler in Notlagen und als persönlichen Freund. Entsprechend vielfältig, fantasiereich und wenig klassifizierbar ist sein Werk, das heute häufig zitiert wird. (Erläuterungsskizze Caccia Dominioni, Inhalt und Hülle
Wohnhaus, Mailand, 1955)